Diabetes – muss der Zucker jetzt weg?

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Diabetes mellitus oder auch die “Zuckerkrankheit” haben heutzutage rund 7,6 Millionen Deutsche! Meist wird sie als Alterserscheinung wahrgenommen, doch auch immer mehr junge Menschen sind davon betroffen.
Was in unserem Körper funktioniert nicht richtig? Was kann man dagegen tun und wie wird diese Krankheit eigentlich behandelt?
Ich möchte hier einen kleinen Überblick geben und habe in leicht verständlichen Worten das Wichtigste zusammengefasst.

Wo liegt das Problem beim Diabetes?

Oft hört man, es liegt am Zucker und das ist auch nicht ganz falsch. Es liegt an den Kohlenhydraten, die in unserem Körper zu Zucker umgebaut werden.
Kohlenhydrate stecken in einer Großzahl unserer Nahrung, z.B. in Brot, Nudeln, Kartoffeln, Kuchen, Obst…
Diese Kohlenhydrate werden beim Verdauungsvorgang in Zuckerbausteine (Glukose) umgewandelt. So gelangen sie über das Blut in die Zellen unseres Körpers. Wichtig hierfür ist das Insulin. Dieses Hormon wird in unserer Bauchspeicheldrüse gebildet und man kann es sich wie einen Schlüssel vorstellen. Das Insulin schließt das imaginäre Schloss unserer Körperzelle auf und sorgt dafür, dass die Glukose hinein kann.

Und hier liegt das Problem bei einem Diabetiker: Das Schlüssel-Schloss-Prinzip funktioniert nicht mehr richtig. Die Glucose bleibt im Blut und so steigt der Blutzuckerspiegel.

Unterschiedliche Diabetestypen

Nicht jeder Diabetiker hat das gleiche Problem. Das kommt auf die Form der Erkrankung an.

Typ-1-Diabetes tritt häufig schon in jungen Lebensjahren auf.
Es ist eine Autoimmunerkrankung und der Körper zerstört die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. So sind nicht mehr genügend Schlüssel zum aufschließen da und diese müssen von außen zugeführt werden = Insulin spritzen.

Typ-2-Diabetes ist häufig erblich veranlagt und wird durch einen ungesunden Lebensstil (wenig Bewegung, fettreiches Essen, Übergewicht) begünstigt.
Hier liegt das Problem an der Körperzelle, also am Schloss. Die Zellen sprechen immer weniger auf das Insulin an, sie werden sozusagen resistent dagegen.
Unser Körper produziert dann mehr Schlüssel, aber irgendwann reichen diese auch nicht mehr aus und der Körper braucht Hilfe durch Tabletten und/oder Spritzen.

Der Gestationsdiabetes oder Schwangerschaftsdiabetes tritt erstmalig während der Schwangerschaft auf. Verschiedene Hormone führen zu einer Blutzuckererhöhung oder aber auch die Ernährung und die Veranlagung ist nicht optimal.
Wie beim Typ-2-Diabetes ist die Insulinempfindlichkeit verringert und die eigene Insulinproduktion reicht oft nicht mehr aus. Schwangere müssen ganz besonders auf ihre Ernährung achten oder auch Insulin spritzen, denn zu hohe Blutzuckerwerte führen zu einem überdurchschnittlichen Größenwachstum beim ungeborenen Kind.

Es gibt auch noch verschiedene Sonderformen des Diabetes. Durch die Forschung kommen hier immer wieder neue Erkenntnisse, aber das führt jetzt zu weit 😉

Wie erkennt man Diabetes?

Die Krankheit spürt man erst mal nicht. Anzeichen dafür können aber sein: starker Durst, häufiges Wasserlassen (der Körper wird den überschüssigen Zucker über die Niere los), Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Verwirrtheit und Sehstörungen.
Besteht der Verdacht, kann man aber auch richtig testen, ob man erkrankt ist oder nicht.

Nüchtern-Blutzucker-Test

Ein kleiner Pieks in den Finger vor dem Frühstück (nüchtern = nichts gegessen) und man kann den Blutzuckergehalt mit einem Messgerät bestimmen.
Wenn dieser Nüchternwert über 126 mg/dl liegt hat man Diabetes.

Oraler Glukosetoleranztest

Dieser Test wird meist bei einem Arzt durchgeführt. Man bekommt nüchtern eine Glukoselösung (75g), die getrunken werden muss.
Vor der Lösung und zwei Stunden danach wird der Blutzucker gemessen. Sollte man nach zwei Stunden einen Wert von über 200 mg/dl haben, hat man wohl Diabetes.

HbA1c-Wert

Der HbA1c-Wert wird auch “Langzeitzucker” genannt. Er zeigt die Blutzuckerwerte der letzten zwei bis drei Monate. Gemessen wird das Ganze durch eine Blutabnahme und die Auswertung im Labor. Wenn man gesund ist, sollte dieser Wert unter 5,7% liegen. Ab 6,5% liegt ein Diabetes vor.
An diesem Wert kann man übrigens auch sehen, wie die Diabetestherapie funktioniert. Wenn sich die Patienten an ihre Therapieregeln (Bewegung, Essen beachten, Tabletten oder Spritzen) halten, sollte er nicht steigen. Der Zielwert liegt so bei 6-7%, je nach Patient.

Folgen eines dauerhaft zu hohen Blutzuckerspiegels

Wenn der Blutzucker schlecht eingestellt ist, schädigt er auf Dauer Gefäße und Nerven. Dies führt oft zu Folgeerkrankungen:

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Dazu gehören zum Beispiel Herzinfarkt oder Schlaganfall. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Diabetes-Patienten.

Schädigung der Augen

Das Sehvermögen kann Schaden nehmen, deshalb ist es umso wichtiger regelmäßig zum Augenarzt zu gehen und den Augenhintergrund checken zu lassen. Diabetiker haben ein 25-fach erhöhtes Erblindungsrisiko.

Nierenschädigungen

Die häufigste Ursache für Nierenerkrankungen ist Diabetes. Die Funktion der Niere wird so eingeschränkt, dass sie das Blut nicht mehr richtig reinigen kann und man lebenslang an die Dialyse muss.

Diabetisches Fußsyndrom

Dadurch, dass Diabetes die Nerven schädigt, kommt es zu einem geringeren Schmerzempfinden und einer gestörten Wundheilung. Hat ein Diabetiker z.B. einen Stein im Schuh, würde er dies nicht bemerken und er zieht sich eine Wunde zu. Es kann wirklich bis zu einem Jahr dauern bis diese Wunde wieder zugewachsen ist und sie bedarf regelmäßiger Kontrolle und Versorgung. 50% der Diabetes-Patienten mit Fußsyndrom müssen sogar mit einer Amputation rechnen, wenn selbst kleine Wunden nicht fachmännisch versorgt werden.

Also ein dauerhaft gut eingestellter Diabetes lohnt sich würde ich sagen! So können die Risiken für Folgeerkrankungen deutlich gesenkt werden und man wird gesünder und ohne zusätzliche Leiden älter.

Die drei Säulen der Diabetestherapie

Eine erfolgreiche Therapie hängt immer von mehreren Faktoren ab. Wichtig sind: die Ernährung, die Bewegung und die medikamentöse Behandlung. Eigentlich kann man sagen, dass eine Verhaltenstherapie stattfindet. Erst eine Verhaltensveränderung und dann die Beibehaltung dieser neuen Lebensweise. Ich reise die einzelnen Bestandteile nur kurz an.

Ernährung

Man soll sich ausgewogen und vielfältig ernähren.
Vollkornprodukte machen einen lange satt, haben Ballaststoffe und lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam steigen.
Mehr Gemüse als Obst ist wichtig, denn im Obst steckt auch viel Fruchtzucker der den BZ-Spiegel wieder schnell ansteigen lässt. Am besten ist es, das Obst nicht allein zu verzehren. Wenn man zum Beispiel Joghurt dazu isst, dann geht der Zucker nicht ganz so schnell ins Blut.
Gemüse dagegen ist kohlenhydratarm und kann auch gerne mal vor dem Fernseher gesnackt werden.
Zuckerfreie Getränke wie Kaffee, Tee oder Wasser sollten die erste Wahl sein. Light-Getränke können bei Bedarf auch mal eingesetzt werden, denn diese sind zuckerfrei.
Naschen und Snacken sollte möglichst vermieden werden, insbesondere abends.
Jeder extra zugeführte Zucker macht dem Körper mehr Arbeit. In flüssiger Form geht er schneller ins Blut, als in verarbeiteter (im Essen).
Ein Stück Kuchen darf trotzdem jeder noch essen, man muss es einfach berücksichtigen und es sollte nicht zur Gewohnheit werden. Auch wenn Kohlenhydrate letztendlich Zucker sind, sollte man sie auf keinen Fall ganz weglassen, da sie ein wichtiger Energie- und Nährstofflieferant sind!
Ein geregeltes Essverhalten ist wichtig, lieber drei große Mahlzeiten als viele kleine!

Bewegung

Diese Säule wird leider viel zu oft vernachlässigt, auch von Nicht-Diabetikern.
Bewegung wirkt sich auf viele Lebenslagen positiv aus und hat gerade für den Diabetes eine präventive Wirkung. Das heißt, sie wirkt vorbeugend und kann dafür sorgen, dass die Krankheit erst gar nicht auftritt.
Bewegung senkt den Blutzuckerspiegel und verbessert das Gewicht. Schon ein einfacher Spaziergang täglich reicht!
Sportliche Betätigung verbessert auch die Insulinempfindlichkeit der Zellen, so wird dann wiederum weniger Insulin gebraucht. Man kann es sich so vorstellen, dass das Schloss der Zelle voller Fett ist. Mit jedem abgenommenen Kilo wird das Fett im Schloss weniger und das Insulin wirkt wieder besser. Das sind doch mindestens 30 Minuten Bewegung wert oder?!

Medikamente

Medikamente werden dann bei Diabetikern eingesetzt, wenn die Ernährungsumstellung und eine gesteigerte Bewegung nicht anschlagen oder nicht durchgeführt werden.
Es gibt eine Menge an verschieden wirkenden Tabletten und Insulinen.
Die Bekannteste Tablette ist vermutlich “Metformin”. Sie sorgt dafür, dass die Körperzelle wieder empfindlicher gegenüber dem Insulin wird. Das ist meist der erste Schritt bei einem Typ-2-Diabetes.

Humaninsulin wird gentechnisch hergestellt und ist identisch mit dem menschlichen Insulin.
Insuline unterscheidet man in ihrer Wirkdauer und ihrem Wirkprofil.
Kurzwirksame Insuline wirken nach etwas 15-30 Minuten für 4-6 Stunden, je nach Dosis. Sie werden vor dem Essen gespritzt und an den vorher gemessenen Blutzuckerwert angepasst.
Langwirksame Insuline haben eine verzögerte Wirkung und eine Dauer von bis zu 24 Stunden, je nach Dosis und Art. Einmal spritzen am Tag reicht oft aus. Diese Insulinart ist quasi die Basis.

Regelmäßige Kontrollen

Die Kontrolluntersuchung beim Arzt (alle drei Monate) ist sehr wichtig! So erkennt man, ob die Therapie Erfolg hat oder ob etwas verändert werden muss. Eine Optimierung nur möglich, wenn der Patient zuhause regelmäßig seinen Blutzuckerwert misst und dokumentiert.
Wie oft er seinen Blutzucker messen muss hängt von der Art des Diabetes und der Therapie ab. Hierzu gibt es eine Menge kleiner Helferlein, wie zum Beispiel: Messgeräte, Teststreifen, Stechhilfen…

Blutzuckerzielwerte

Man misst wohl kaum jedes Mal den perfekten Wert, jeder Körper ist anders und es gibt nicht jeden Tag das Gleiche zum Essen. Trotzdem gibt es Bereiche die erreicht werden sollen!
Nüchtern vor dem Essen: 90-120 mg/dl
Etwa 2 Stunden nach der Mahlzeit: <140 mg/dl

Noch Fragen zum Diabetes?

Über die Krankheit “Diabetes mellitus” und deren Therapie kann man eine Menge erzählen, aber das soll erstmal genügen. Wenn noch Fragen offen sind oder jetzt erst welche aufkamen, dann hinterlasse hier gerne einen Kommentar, nutze das Kontaktformular oder schreibe mir bei Facebook oder Instagram.

Pass auf dich auf!

Lisa 🌟

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2018-05-03T20:27:22+00:00

4 Comments

  1. Pii 2. Mai 2018 at 14:47 - Reply

    Schön geschrieben!☺️🙌🏽

    • Lisa Nunn 2. Mai 2018 at 18:37 - Reply

      Vielen lieben Dank Pii 😊
      Freut mich sehr, dass du einen Kommentar da gelassen hast ❤️

  2. Rubina 3. Mai 2018 at 20:31 - Reply

    Sehr gute Erstinformation und gut verständlich erklärt.

    • Lisa Nunn 3. Mai 2018 at 20:33 - Reply

      Vielen Dank! 🙂 Ich wollte die Krankheit etwas näher bringen und hoffe es ist mir gelungen 🙂

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